Mein Freund W. war keiner, der sich schnell zu etwas hinreißen ließ. Wenn er am Wochenende aus dem Haus ging, wusste er genau, wohin ihn seine Wege führen würden und davon ließ er sich nicht abbringen. Traf er einen Bekannten, erklärte er, dass er es eilig hätte, anstatt ein Gespräch zu führen. Manchmal ärgerte ihn das, doch so wichtig waren ihm seine Bekannten nicht.
Als man ihn letzten Sonntagabend von einer Straßenbahn niedergeführt neben den Gleisen fand, lag in seiner Hand eine Karte für einen Kinofilm und ein gültiges Ticket für die Wiener Linien. Eine Frau, die über ihn gebeugt stand, sah sich kurz sein totes Gesicht an. Dann eilte sie zu ihrem Begleiter, drei, vier Meter weiter.
Franz unterwegs
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Mein Freund W.
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Trampolin
Als ich letztens in der Vorstadt unterwegs war, um meinen Kater zu vertreiben, musste ich laut auflachen. Ein Freund, der neben mir her ging, hatte mir einen Witz erzählt. Ich bin müde und gehe jetzt heim, sagte er dann. Auf bald, sagte ich und umarmte ihn.
Ich ging durch die Gassen und in einen Garten. Der Regen fiel. Mein Körper stieg. Ein Trampolin hatte ich betreten. Ich sprang mit einem kleinen Buben, der mir High five anbot. Ich nahm an. Bald wurde ich müde und setzte mich. Das Kind sprang weiter und so bewegte ich mich weiter. Klein bist du, sagte ich, doch das Trampolin macht dich groß. -
Stadt am See
Mit den Eindrücken, die ich beim Ausblicken vom hohen Kirchturm gepflückt hatte, ging ich durch die Altstadt. Mein Handy hielt ich in dunkle Gassen und schoss dunkle Fotos, die ich meinen Freunden zeigen wollte. Der Himmel war voller Wolken, die wenig später brachen. Als sie brachen, lag jemand am See. Das war ich. Ein Kind weinte. Ja, sagte die Mutter.
Ein Krauler näherte sich und ich sagte ja. Er tauchte immer wieder auf, um Luft zu schnappen. Ich blickte immer wieder zu ihm hinüber und immer wieder blickte ich in die Baumspitzen über mir. Als ich die Augen schloss, hörte ich Stimmen. Es waren Leute in einem Boot am Ufer angekommen. Sie befestigten ihr Gefährt. Lustig ging es zwischen ihnen zu. Ja, sagte ich.
Schwer lag mein Kopf am Rasen. Ich hörte die Kirchturmglocken. Dunkel war die Altstadt gewesen. Viele Besucher waren mir auf den Turm gefolgt. Sie hatten neben mir ausgeblickt. Einer lag am See. Das war ich.
Es fühlte sich an, als wollte mich jemand auf die Seite drehen. Noch lag ich am Rücken und las in den Wipfeln. Ja, sagte ich. -
Das Treffen
Franz war nervös. Im Spiegel sah er seinen unruhigen Mund. Ein Mundwinkel zuckte leicht. Ein anderer blinzelt, Franz jedoch nie. Er band sich die Schuhsenkel und ging aus dem Haus, ging solange, bis er die Bar erreichte. Dort sollte er sich mit Marta treffen. Marta war Malerin und sehr klein. Marta war eine alte Bekannte. Eine von jenen, die man jährlich trifft und danach nicht gut schlafen kann. Hallo Franz! Hallo. Marta war noch immer klein. Einmal möchte ich dich malen, sagte Marta.
Am Heimweg saß Franz in der Straßenbahn. Er fuhr an Gleisbauarbeitern vorbei, die nächtens Erneuerungen durchführten. Sie standen mit gelben Warnwesten da und leuchteten mit ihren Stirnlampen in den Waggon. Langsam kroch er die Kurve an ihnen vorbei. Das sind die Götter, dachte Franz, und Passagier, das bin ich. -
Zugfahrt
Der Zug fuhr und ich ging. Am Ende des Waggons setzte ich mich gegenüber eines Mannes. Er war ergraut. Der Mann schlief. Auf seinem Oberschenkel lag ein Handy. Es leuchtete regelmäßig auf. Wer sind Sie, fragte ich. Alt sind Sie, sagte ich. Jemand möchte Sie erreichen, sagte ich. Die Fahrscheine, sagte der Schaffner. Da wachte der Mann auf, suchte, fand und zeigte vor. Ich sah in der Ferne ein Bauernhaus. Da steht ein Bauernhaus, sagte ich. Der Mann schlief wieder. Kaffee? fragte der Kellner. Der Mund des Mannes öffnete sich langsam. Müde sind Sie, sagte ich. Den Ausstieg verpassen werden Sie, sagte ich. Ich holte meine Jause hervor und aß.
An der nächsten Station stiegen einige Leute aus. Danach stiegen einige Leute zu. Darunter befand sich ein Mann, der sich neben mich setzte. Wer ist dieser Mann? fragte er. Doch ich war schon eingeschlafen für ihn. Zugestiegen? fragte der Schaffner. Den Ausstieg verpassen werden Sie, sagte der Mann. Kaffee? fragte der Kellner. Müde sind Sie, sagte der Mann. -
Am Meer
Franz war ans Meer gefahren, um auszuschauen. Er trug einen schwarzen Hut. Das Meer war bewegt, als er ankam. Am folgenden Tag war es ruhiger. Am darauffolgenden Tag war das Meer bewegt.
Franz gefielen die Badenden, die zur Hälfte im Wasser standen. Skulpturen standen im Wasser. Er saß am oberen Rand des Strandes. Er ging den Strand auf und ab. Am Abend sah er der Sonne zu. Ihm fehlten die Worte für Postkarten. Was er liebte, waren Postkarten. Franz war niemals alleine am Strand. Täglich wurde er beeindruckt. Abends saß er im Zimmer und sah fern. Den letzten Abend verbrachte er nicht im Zimmer, denn er musste zum Bahnhof gehen, von wo ihn sein Zug holte und heimfuhr. -
Am Fahrrad kam sie mir entgegen
Am Fahrrad kam sie mir entgegen. Ich stand da und winkte. Auf der Straße fuhren die Autos. Am Gehsteig stand ich. Mit hochgestrecktem Arm winkte ich. Dann tönte ein Hupen. Es entsetzte mich. Motoren heulten auf. Ich knickte ein. Als ich wieder in voller Spannung dastand, als ich weiterwinken wollte, musste ich feststellen, dass sie nicht mehr zu sehen war. Am Fahrrad kam sie mir nicht mehr entgegen. Am Gehsteig stand ich. Ich blickte in eine Auslage. Dann ging ich nach Hause. Ich hatte mir noch zwei Ladungen Wäsche vorgenommen.
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Parkbank II
Grüße Sie, alte, weise Frau mit Hündlein und beiger Kleidung, sagte ich, und setzte mich zu ihr auf die Parkbank. Alt sind Sie, aber dennoch keine Hundert, sagte ich, und schlief ein. Rinderherden trampelten, Türen fielen in ihre Türrahmen zurück, Gläser füllten sich mit Sirup, rot. Kinder badeten, wovon eines ich war. Ich schwamm in die Fluten, Freestyle und nackt.
Als ich erwachte, merkte ich, dass ich nach Schweiß roch. Ich führte meine Nase an die Achsel und sah, dass mich die Alte beobachtete. Tut mir leid, wandte ich mich wieder zu ihr, Sie riechen wohl nichts, doch ich rieche nach Schweiß. Ein Wind kam auf. Ein Rasseln der Blätter setzte ein. Ich nehme mir vor, wie Sie zur Ruhe zu kommen, sagte ich, nur beige möchte ich nicht zur Ruhe kommen. Hören Sie mich? fragte ich. Sehen Sie mich? Riechen Sie mich? fragte ich. Doch die Alte starrte nur nach vorne und rief nach ihrem Hündlein, das sich einsam hinter ihr vergnügte. -
Die Begegnung
Ich war dabei meine Gasse zu verlassen, als ein kleiner Hund um die Ecke bog. Er war herausragend hässlich. Ich bemühte mich, nicht auf ihn zu treten, ihn zu übersteigen, da eine Leine auf einen Besitzer schließen ließ. Besitzer war eine alte Dame. Klein gebückt schien sie wie ihre Vorhut Spuren lesend beschäftigt zu sein. Ich stolperte im Ungleichgewicht vom Gehsteig und erkannte am Hut der Dame eine Feder. Sie konnte mich nicht beachten, ihre Haltung erlaubte es nicht. Sie ging an mir vorüber und sprach vertraulich zum vorauseilenden Hund.
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Parkbank III
Nach ein paar Schritten nahm ich auf einer Parkbank Platz. Ich rauchte, ich sah. Ein Mann warf seine Münzen mit weit ausgestrecktem Arm in den Hut eines Bettlers. Im Gesicht des Mannes war ein Lächeln, das er im Gesicht der Gestalt unter ihm nicht zu sehen bekam. Das Geben macht so viel Freude, während das Nehmen so wenig Freude macht.