Von allen Fähren verlassen

Ich bin gekommen, um den Fähren nachzusehen. Aber kein Nacheifern. Sitze hier unter den Wartenden und unter den Sandlern. Es hat etwa 40 Grad und die Wartehäuschen haben sehr schmale Dächer. In den schmalen Schatten versuchen wir unsere Köpfe unterzukriegen. Ich warte mit. Wenn sie wüssten, dass ich nie einsteigen werde. Niemals! Es riecht stark nach Urin. Ich trinke eiskaltes Cola.

Erstaunlich wie ruhig die Wartenden bleiben. Die Sandler dösen. Ich bin beeindruckt und bedrückt von den riesigen Schiffen, wie sie in den Hafen einfahren. Wenn sie andocken, zieht es mir alles zusammen vor Angst. Wie schwere Ochsen, die zur Schlachtung wanken. Grob sind diese Fähren, denke ich, und zart obendrein. Welch zartes Deck. Zermürbt kehren sie von der offenen See heim. Völlig desillusioniert. Was auch sonst? Vielleicht eine Spur Stolz vorne am Bug. Sehr wesentlich jedenfalls. Und wenn sie ihren Bauch öffnen, sodass eine Rampe entsteht. Wie kann man ruhig bleiben, wenn Menschen und Automobile darin verschwinden? Wer treibt sie an? Wer hat ein Auge zugedrückt, dass so reibungslos verladen werden kann? Kalt wird mir, wenn der schwarze Rauch aufsteigt.

Die Gelassenheit dieser jungen Leute am Imbiss-Stand. Die auch noch den Magen besitzen, hier zu jausnen. Doch ich trage dunkle Sonnenbrillen und schaue nirgends zu lange hin. Wie könnte ich bei der Vielzahl an Ungeheuerlichkeiten. Aber nicht zu schnell urteilen. Auch ich war einmal auf einer Fähre, auch ich war verwegen gewesen. Fuhr hinaus in das offene Wasser. Auf Deck blickte ich finster gegen das verschwindende Land. Als ich wieder festen Boden betrat, musste ich laut stöhnen vor Befriedigung. Jemand klopfte mir auf die Schulter. Walfänger wirst du keiner mehr, sagte er, glaube ich. So geht es einem, wenn man nichts versteht.

Ich muss den Kopf wieder wenden. Oh, die Kreuzdampfer-Riesen liegen im Hafen wie in einem zu kurzen Bett. Der Hafen, die Hapfn. Ich kann mich nicht nähern, aber ich möchte mit einem Gucker in die Kajüten gucken. Darin sind wohl keine Seebären, sondern Betuchte in beigem Gewand. Sie schauen aus ihren Kajüten. Die zukünftigen Passagiere schauen auf die Fähre. Ein Paar hält die Handflächen aneinander. Bald werden sie an der Reling stehen, im Wind. Wie ruhig sie das lässt. Zerbrechlicher war ich noch nie. Furchtbar nur die Vorstellung überzusetzen. Da bin ich ganz bei den Möwen und ihrer Leidenschaft zur Küste.