Ich dachte mir, jetzt riechst du den Flieder, befand mich aber im Spätherbst. Ich sagte mir, ich erinnere mich riechend und einmal schon roch ich einen Garten nach dem Regen, was mir damals derartig einfuhr, dass ich die Augen aufriss. Doch dann schloss ich sie wieder, denn ich lag im Bett und wollte, dass mich der Schlaf holt. Ich ging weiter und traf einen ehemaligen Lehrer. Wir spazierten ein Stück und plauderten. Ich verabschiedete, mich und bog ab. Hier verschwindest du, sagte ich.
Das andere Mal als ich den Flieder roch, betrat ich gerade die Straßenbahn und stellte meinen Koffer ab. Ich musste noch einmal aussteigen, da fuhr die Straßenbahn ab. Ich musste noch einmal aussteigen, um meinen zweiten Koffer zu holen. Ein Freund kam mir entgegen und ich erklärte ihm, was ich vorhatte. Was ich vorhatte, war, zu warten, bis jene Straßenbahn, die mein Gepäck durch die Stadt fuhr, hier wieder halten würde. Mein Freund sagte, das Gepäck sei verloren. Seine kleinen Augen sahen mich traurig an und traurig sah ich dahin, wo die Straßenbahn verschwand. Hier verschwindet sie, sagte ich. Mein Freund verabschiedete sich und ging fort.
Das dritte Mal als ich den Flieder roch, holte ich eine Freundin am Bahnhof ab. Aus dem Zug stieg die Freundin. Sie kam auf mich zu, ich nahm ihr den Rucksack ab und danach sie in die Arme. Wir gingen um eine Ecke und sie erzählte mir von der Zugfahrt. Hier verschwinden wir, sagte ich. Sie lachte und dann lachte auch ich. Wir gingen eine steile Straße bergauf, öffneten eine Türe, die in das Haus führte, in dem ich wohnte.
Das waren drei Geschichten. Eine anders als die andere. Seit langem habe ich nun keinen Flieder mehr gerochen. Mir fehlt dieser Duft. Ich habe große Lust ihn zu riechen. Vielleicht wird es bald soweit sein. Erzwingen lässt sich nichts. Traurig ist mir jetzt zumut. Ich möchte Wein trinken und an eine verschneite Landschaft denken.