Busfahrt

Der Bus fuhr und ich ging. Vorbei an den Schlafenden und an denen, die versuchten zu schlafen. Ich ging und ging und ich ging immer weiter und dann entleerte ich mich tief in Gedanken. Das Klo befand sich direkt über den Rädern.
Man ist sehr alleine im Bus, dachte ich. Man ist immer über den Rädern. Man ist auch sehr klein im Bus. Als Zugreisender ist man größer, vor allem gegenüber der vorbeiziehenden Landschaft. Aber auch von schräg oben betrachtet, in die Fenster des Zuges hineinblickend, erscheint der Zugreisende größer, edel dahingleitend, den Kopf an der Lehne rastend. Der Busreisende ruckelt vorwärts. Doch man ist auch im Zug sehr alleine. Niemand spricht mit einem. Der im Flugzeug reist, ist erhaben. Doch auch mit ihm spricht niemand. Der im Schiff reist, ist meist verloren. Wer weiß, ob er ankommt? Niemand wird es je erfahren. Der Busreisende aber kann sowohl abstürzen, als auch untergehen. Der Bus mit den Busreisenden muss sofort weichen, wenn ein Flugzeug zur Notlandung sinkt. Ist der Bus einmal auf einer Fähre und in Richtung hoher See, gibt es kein zurück mehr. Einmal ausgestiegen, ist der Busreisende immer in Verlegenheit, doch das ist beim Fluggast nicht anders. Schau ihn einer an, angekommen in der Ankunftshalle.
Die Zeit verging und ich saß. Als ich wieder stand, sah ich Augen glänzen. Ich unterhielt mich mit der Person, die diese Augen geöffnet hielt. Wir sprachen vom Reisen, vom Daheimbleiben, vom Schlafen und Wachsein sowie vom aus dem Fenster Schauen. Wir schauten, jeder für sich, aus dem Fenster. Was sich hier alles an Lichtern und Spiegelungen zeigt während einer Nacht! Schau jetzt nicht träumend hinaus, sagte ich mir, und schau dir nicht in diesen Spiegelungen in die eigenen Augen! Schau in ihre Augen, solange sie ins Fenster schaut. Ich schaute in ihre Augen und ihre Augen schlossen sich. Ich wusste nicht mehr, wo ich war. Langsam tastete ich mich zurück zu meinem Sitzplatz.
Als ich wieder saß, rann es mir aus der Nase. Während jeder Busfahrt kommt Luft aus versteckten Spalten. Luft, die an den kältesten Orten entlang der Route aufgesammelt wird. Deshalb würde es warm sein, egal, wo ich ausstieg. So dachte ich und so saß ich und so aß ich, was geronnen kam.