Ich wagte gestern hinauszugehen, in einem Vorhaben, ziellos umherzustreifen. Solchen Vorhaben gehen Überlegungen voraus, welche sicherstellen, dass bereits alle Orte von akutem Interesse besucht wurden oder an diesem Tag nicht besucht werden konnten. Es war schlichtweg meine Aufgabe gewesen, mich meiner Ziele zu entledigen. Eine Aufgabe, die mich nicht rasten ließ.
Ich machte mich daran, meine Gasse zu verlassen, als ein kleiner Hund um die Ecke bog. Er war herausragend hässlich, doch bemühte ich mich, nicht auf ihn zu treten, ihn zu übersteigen, da eine Leine auf einen Besitzer schließen ließ, der mich bestrafen könnte. Der Besitzer war eine alte Dame, klein gebückt schien sie wie ihre Vorhut Spuren lesend beschäftigt zu sein. Ich stolperte im Ungleichgewicht vom Gehsteig und erkannte am Hut der Dame eine Feder. Sie konnte mich nicht beachten, ihre Haltung erlaubte es nicht, sie ging an mir vorüber und sprach vertraulich zum vorauseilenden Hund.
Vor dem Café saßen die Leute zurückgelehnt. Ich ging an ihnen vorüber im Versuch, sie mit Blicken ein wenig zu stören. Die Faltentüren einer Straßenbahn öffneten sich mit gewohntem Geräusch. Eine Gruppe von Schülern löste sich auf, sie liefen alle lauthals davon. Sie traten wohl ihren Heimweg an, doch mit einer Dringlichkeit und Eile, wie ich es von Haftentlassenen erwartete. Diese jedoch, so dachte ich, entfernen sich wahrscheinlich langsam von ihrer Unfreiheit.
Ich betrachtete eine Auslage voll teurer Möbel. Im Geschäft betrachtete eine Verkäuferin ihre Nägel. In der Scheibe der Auslage spiegelten sich ein Koffer, eine Bluse, ein Kinderwagen. Ich gähnte mich an. Auf die angehauchte Scheibe wollte ich zeichnen, doch die Striche waren zu dick für den kleinen Bereich, den mein Atem traf. Ich ging weiter, eine Taube blickte nicht auf, und ich verscheuchte sie beiläufig. Nun befühlte ich meine Taschen nach ihrem Inhalt. Mir kam die Idee, beim Vorübergehen der Passanten meine Augen zu verschließen. Das gelang mir, doch konnte ich keine Reaktionen überprüfen. In meinen Taschen befand sich alter Tabak.
Ich blickte in den grauen Himmel und hatte Lust auf Krieg. Was ich wollte, war Gefahr und Verschanzung. Die Wohnung eines hohen Stockwerks, eines dieser Dachgeschoße, müsste ich beanspruchen. Ich wollte eine Unordnung in der Bestecksaufbewahrung bewirken, wollene Fäden als Zahnseide benutzen, ganze Kleider auftrennen. Ich wollte Brösel verteilen auf schimmernden Abstellflächen, die Vorhänge beschmutzen und aus der Blumenvase Blumenwasser trinken. Ich müsste am Ort der Unordnung kämpfen. Ich wollte vom Fenster auf die Gasse sehen, dorthin, wo die Kämpfe tobten. Ich wollte mit einem Arsenal an Waffen ins Gefecht eintreten und die Wohnung, den Zustand, den ich darin gestiftet hatte, verteidigen. Ich würde getroffen werden und, verwundet, rücklings am Boden den geschmackslosen Lampenschirm über mir schwingen sehen.
Ich musste mir ein Auge reiben wegen Juckreizen und verdrängte diese Anwandlung von Gefechteslust. Ein Taxifahrer, als ich wieder sehen konnte, spuckte des Öfteren aus, als entledigte er sich dadurch seiner Gedanken. Dann polierte er die seitlichen Rückspiegel und summte. Ich bemühte eine grimmige, doch nicht allzu ernste Grimasse und bewegte mich über Umwege Richtung daheim. Hin und wieder brach das Sonnenlicht durch das Wolkendicht. Zwei Umschlungene überquerten hastig die Straße. Doch bald wieder schoben sich Wolken ineinander und der Tag trübte fort. Ich schritt taktvoll dahin, denn mir war seltsam leicht im Gemüt, so unverhaftet mich zu bewegen, wie eben freigelassen.