Niemals aber möchte ich einen Regenschirm besitzen, ich möchte mir so etwas nicht zulegen und ich möchte so etwas auch nicht geschenkt bekommen. Wenn ich alt bin, könnte er als Gehstock Verwendung finden. Doch mit einem hinaufzeigenden Arm, der einen aufgespannten Regenschirm hält, mit einer solchen Haltung möchte ich nicht durch Stadt und Land gehen. Ich finde es auch gar nicht nötig, meine Meinung zu überdenken, was mir ein lieber Freund kürzlich riet. So etwas wie einen Regenschirm besitze ich nicht.
Mit dieser Feststellung betrat ich den Park, der mich wie gewohnt mit stolzen Kastanienbäumen empfing. Ich ging etwas verloren dahin. Von diesem Tag war ich nicht überzeugt und nichts schien sich daran ändern zu können. Ich betrachtete meine Schuhspitzen, welche ich einmal hoch in die Luft schwingen, einmal elegant über den Schotter streifen ließ. Bald versuchte ich, meine Füße höchstmöglich in die Luft zu befördern. Mir war traurig zumut, keine Begleiterin neben mir zu haben, die mich bewundern würde und dann meine Hand halten wollte.
Auf einer Bank lag ein jüngerer Mann und eine Brille lag auf seiner Brust. Er konnte seine Augen kaum offen halten, da er sich sonnte. Seine Füße lagen im Schoß einer Frau. Sie hielt sich die flache Hand als Vordach an die Stirne, um in den Baumkronen etwas zu beobachten. Wie recht sie damit hatte, dachte ich. Dahinter, auf der weiten, kurz gemähten Wiese, die einen Kinderspielplatz umschloss, lagen vereinzelt Leute in einer Entfernung zueinander, die sie für sich sein ließ. Der Tag schien wie eine einzige Beschwichtigung auf die Leute zu wirken. Sie lagen verstreut da, wie hingeworfen und liegengeblieben. Dort jemand, der abwechselnd in einer Zeitschrift blätterte und in die Ferne schweifte. Da eine, die über ihre Schultern blickte und das Spielen zweier Hunde verfolgte, sich auch ein wenig Luft zufächerte. Ganz nah stand jemand auf nur einem Bein und hielt die Augen geschlossen, was ich für waghalsig hielt. Ich wollte mich schon dazubegeben und überlegte, welcher Tätigkeit ich meinerseits nachgehen sollte. Die Wiese mit den Leuten und Bäumen schien fertig bestückt zu sein und die Vorstellung, dass ich mich hinzufügte, war mir nicht angenehm. Es war, als wäre ich ein zu später Besucher, der auf keinerlei Empfangsgelüste der Gegenseite trifft. Besucher tun sich dann oft durch ihr Verschwinden besonders hervor.
In diese Beklemmung dachte ich mich eine Weile hinein, wandte mich schließlich ab und spazierte fort. Ich glaubte, den Flieder zu riechen, doch befand ich mich im Spätherbst und mir fiel keine mögliche Quelle dieses Duftes ein. Ich sagte mir, ich erinnere mich riechend. Einmal schon hatte ich einen Garten nach dem Regen gerochen, was mir damals derartig eingefahren war, dass ich die Augen aufgerissen hatte, nur um sie wieder zu schließen, denn ich war im Bett gelegen und hatte gewartet, dass mich der Schlaf holt.
Ich zog mir die schwere Jacke aus, und schmiss sie wuchtig hinter mich, sodass sie den Rücken herunterhing. Meinen Zeigefinger formte ich wie einen Kleiderhaken. Nach einigen Schritten erst bemerkte ich eine Mutter mit ihrem Kind. Sie schienen den Spielplatz anzupeilen und ich schloss mich unbemerkt an. Auf das Schaukeln, dachte ich, vergisst man gerne. Das Kind musste immer wieder an der Hand genommen werden, um keine Umwege zu machen. Und es riss sich immer wieder los, da es Gegenstände für sich entdeckte, zu welchen die Mutter meist schwieg. Gelegentlich gab sie eine Erklärung ab. Ich hatte meist eine ähnliche Erklärung parat und war dann gespannt, in welchen Worten sie diese ausführen würde. Einmal nickte ich sogar heimlich, als mich eine Frage und deren mögliche Beantwortungen besonders interessierten. Die beiden gingen vor mir her und ich horchte bald nicht mehr in ihr Gespräch.
Am Spielplatz, eingehegt von einem grünen Zaun, stand eine Rutsche, eine Sandkiste und ein Klettergerüst. Die Umgebung war dem Kind bedeutungslos geworden, es drängte wild nach vorne. Die Mutter ließ es schließlich los, blieb stehen, schaute dem Vorgeeilten nach, setzte sich wieder in Bewegung, und als es sich bereits am Spielplatz befand, senkte sie ihren Blick. Sie verschränkte die Arme hinter dem Rücken, nahm ihr Handgelenk in die Hand und verlangsamte ihren Schritt. Sie schien, mehr noch als vorher, völlig in sich gekehrt. Ihr Gehen war ein Nachgehen, zweifelsfrei und klar. Einmal nur blickte sie schnell auf, um sich der Sicherheit ihres Kindes zu vergewissern, öffnete dann am Spielplatz angekommen das Tor und setzte sich auf eine Bank, von wo aus sie über das Spielen ihres Kindes wachen konnte. Dort saß sie dann bewegungslos neben dem herumlaufenden und herumspringenden, immer wieder aufjubelnden kleinen Kerl.
Ich schlich mich hinter ihr davon, ließ meine Hand kurz den Zaun entlang streichen und begab mich dann geschwind auf die Straße. Vielleicht, überlegte ich, habe ich auf eine wichtige Verabredung vergessen, in der ich diese Geschichte zur allgemeinen Gemütlichkeit kundtun könnte. Ich müsste mich zuerst sammeln und dann einen Erzählton treffen, die richtigen Worte wählen, manches auslassen, manches ausmalen. Bevor ich weiterdenken konnte, fuhr eine Straßenbahn vor und ich bestieg sie mit nur einem Satz.