Die Sonnenbrille

Für mein Augenwohl nahm ich eine Brille in Kauf. Bald gewöhnte ich mich an die neue Lässigkeit. Auch als Schläfer war ich lässig. Im Bus rüttelte einer an mir, er dachte wohl ich blickte aus dem Fenster. Im Park flüsterte eine Familie beim Picknick. Sie dachten wohl, ich schlief. Im Zug rüttelte die Schaffnerin an mir, wo ich doch gerade aus dem Fenster schaute. Am Strand sprach ein Paar lautstark, wo ich doch gerade eingeschlafen war. Im Café wurde mir die Rechnung gereicht, als ich gerade ein Auge zudrückte. Wenn am Abend die Sonne schwächelte, verstaute ich die Brille in meiner ledernen Umhängetasche.
Vor ein paar Tagen beugte ich mich über einen Käfer, da fiel ein Glas aus der Fassung. Ich stand auf und setzte es wieder in den Rahmen. Beim Spaziergang in einem Lustgarten löste sich das Glas wieder und lag lose am Auge. Da nahm ich die Brille ab und das Glas fiel zu Boden. Ich hob das Glas auf und warf es in den Mülleimer. Seitdem bin ich nicht mehr zufrieden mit meiner Sonnenbrille. Ich lasse sie bei jeder Gelegenheit liegen, doch die Menschen sind hilfreich und schreien mir nach. Sie weisen mich darauf hin, etwas vergessen zu haben.