Besuch in Eger

I

Am Bahnhof angekommen, riss ich den Rucksack auf. Hinein sprang eine Heuschrecke und nach kam die Luft von Eger. Ich umrundete den Bahnhof und wusste nicht weiter. Wie geht es weiter, fragte ich die Klofrau, eine Dame mit dünnen Augenbrauen und freundlichem Lächeln. Sie hielt einen Besen in den Händen und sagte: „Einmal rechts gehen, dann geradeaus bis die Basilika auftaucht, hineingehen und beten.“ Ich folgte und sie winkte mir mit dem Besen nach. Einer kam mir entgegen, der musste wohl denken, die Klofrau verscheuchte mich. So lächelte ich ihm milde zu. Derweil ging die Sonne unter. Vor der Basilika setzte ich mich aufs Pflaster. Ich weinte kurz und hastig, weil ich noch keine Unterkunft hatte. Ich zückte mein Handy, gab „Hotel Eger“ ein, fand ein Hotel „Motel“, zog hin und stieg ab. Laut wieherten fern einige Rosse. Aber da lag ich schon im Bett und träumte heftig vom Leben in den Weinbergen.

II

Am Bahnhof Eger angekommen, verscheuchte ich einige Tauben, kaufte grüne Äpfel zur Zwischenmahlzeit und fuhr mit dem Finger im Vorbeigehen an einem dicken Platanenast entlang. Am Weg in die Innenstadt zog der Himmel zu. Riesige schwarze Wolken bildeten sich über mir und massenhaft kam Regen in die Stadt. Ich sah noch zwei ältere Herren unter ein Vordach sprinten, da geriet auch ich ins Laufen und fand in einem Imbiss Schutz. Nach einem halben Liter Cola brach die Sonne durch die Wolken. Ich warf Münzen auf den Tresen und rannte hinaus, wie ich vorher hineingerannt war. Mächtige Regenbögen aller Couleurs umspannten die Stadt und über den Zierblumen an den Wegrändern flogen Schmetterlinge auf, tummelten sich Hummeln und anderes federloses Flugvieh.
Wenig später sprang ich von einem Bein auf das andere, stand ich doch vor einem Blasmusikanten, welcher probte. Das Konzert verfolgte ich dann unscheinbar im Publikum, kaute an Fenchelsamen und klatschte nach Belieben. Hoch wurden die Trompeten, Posaunen, Saxophone und Klarinetten zum Himmel gerichtet, dass es feierlicher nicht mehr ging. Da krachte es in einem Eck des Himmels, schlangenförmige Blitze zuckten auf und heftiger Regen erreichte die Stadt. Es prasselte auf die Autodächer und auf die Instrumente und das Publikum tanzte. Die Musiker verschwanden ängstlich und enttäuscht im Tourbus. Doch das Publikum und ich als Teil des Publikums, wir feierten noch bis in den Morgen. Immer wieder ahmte jemand den Trompetenspieler, den Posaunisten, den Klarinettenspieler oder den Saxophonisten nach und alle lachten und zwinkerten sich schelmisch zu.

III

Am Bahnhof Eger angekommen stand ich barfuß am Bahnsteig Numero eins und zog mir die Wanderschuhe über. Ein hagerer, alter Aufseher beobachtete mich zufrieden und fraß Brot. Nun ging ich in großen Schritten auf die Burganlage zu. Immer größer wurde die Burg und immer langsamer wurde ich. Oben ließ ich Hüllen fallen, trank einen Liter Wasser und fraß Mango und Speck. Satt spähte ich durch die Zinnen. Ein Essensrest zwischen alten Zähnen. Links und rechts dicke Kanonen auf den Feind gerichtet, der nicht mehr kommen wollte. Schöne Armbänder im Mittelalter-Stil wurden verkauft. Ich dachte an die Frau, die ich liebte, dachte an ihr Handgelenk und ob es Zierrat bräuchte. Heute nicht, dachte ich, stieg ab und weiter drüben auf einen Kirchturm wieder hinauf. Traurig wirkte die Burg, kein Adel war zu schützen. Nur Touristen, die wie Ameisen herumliefen. Klar war der Himmel heute. Frech lugte ich aus dem Turmfenster und machte mich über die Leute lustig, die blinzelnd und unsicher zu mir hinaufsahen. Letztlich nicht überzeugt und enttäuscht von dieser Stadt ging ich zum Bahnhof. Die Adresse des Hotels warf ich aus dem fahrenden Zug. Ich beugte mich weit aus dem Fenster wie ein zufriedener Hund und ließ Land und Leute hinter mir.