Liebe Henriette,

bin wieder in alte Gewohnheiten zurückgefallen. Mache mir die hiesigen Streuner zur Gefolgschaft. Mittlerweile ziehen bis zu zehn Hunde mit mir durch die Straßen, einer anders als der andere. Versorge sie mit Baguette und Streichkäse, wie auch ich mich damit versorge. Abends kehren wir in das Hundehotel neben dem Bahnhof ein. Es trägt den Namen „Zur kurzen Leine“. Eigenartig, der deutsche Name. Doch ich bin sowieso der einzige, der hier lesen kann. So war ich auch nicht verwundert, eng angekettet mit den anderen in einem stillos eingerichteten Zwinger schlafen zu müssen. So weiß ich wenigstens, woran ich bin. Morgen wollen wir auf die Burg, die Aussicht genießen und später am Fluss die Füße baumeln lassen. Hoffe, das Wetter spielt mit und hoffe auch, mich wieder davonstehlen zu können. Bin müde, gebannt und angeleint. Grüße auch von den anderen!

T.