Lieber Gustav,
bin in der Hauptstadt angekommen. Sitze allerdings immer noch am Busbahnhof. Das Kommen und Gehen möchte ich gut heißen. Die vielen Bewegungen, Gesten und Ausdrücke der Menschen gelten nicht nur mir, doch sind sie auch nicht von der Hand zu weisen. Du weißt wie sehr ich den Cafés in Busbahnhöfen huldige. Diese sicheren Orte zwischen Bleiben und Gehen, zwischen Müdigkeit und Schnelligkeit. Ich verstehe die Wartenden hier sehr gut. Ich beneide sie um ihren Fahrplan. Denn mir steht alles offen, die Stadt, die Weiterreise, das Bahnhofshotel usw. Du hast dir mich als nach außen hin gelassenen, innerlich aber aufgewühlten Gast des Bahnhofs Cafés vorzustellen. Als einen, dessen Fuß wippt und nicht zu wippen aufhört. Dessen Kopf sich dreht wie ein Barhocker. Dessen Zunge die Lippen stets feucht hält. Und dessen Finger an der Tischunterseite alte Märsche klopfen. Ich melde mich wieder.
Doch vorerst grüße ich dich, T.