Lieber Paulus,
wende mich noch einmal gerne an dich. Bin weitergezogen und am Strand zur Nachtruhe untergekommen. Der Tag verlangte mir wiederum alles ab. In der Früh scheuchte ich in den Pinienkronen Zikaden auf und fraß sie in der Hocke mit Quellwasser und Brombeeren. Danach begab ich mich in das komplizierte Muster der Serpentinen. Musste alle Kraft aufwenden, um auf den heißen, staubigen Hängen zu bestehen. Noch jetzt pochen meine geschwollenen Füße im Schuhwerk. Ich pflege sie mit Eidechsenhautverbänden. Den Sonnenbrand auf den Waden behandle ich mit Rosshaar, das ich den müden Pferden der Bergbauern in der Mittagshitze abschnitt. Bin heilfroh wieder an der Küste angelangt zu sein – lustigerweise fast an derselben Stelle wie gestern. Sei es drum, das Bad im Salzwasser schmerzt und laut heule ich auf in den tosenden Wellen und im Geschrei der herumlaufenden Kinder. Die Badegäste unter den Schirmen sehen mir voll Mitleid nach, wenn ich wieder den Weg in das Steil der Hänge aufnehme. Die Last meines Rucksacks ertrage ich mit steifer Miene und den neben mir anhalten Autos lächle ich sanft und abweisend zu. Im Staub, den sie aufwirbeln und mir hinterlassen, ziehe ich den Hut vor meiner Standhaftigkeit und stimme ein Lied der Winterreise an.
Grüße hiermit, T.