Lieber Gustav,
es regnet und regnet. Ich kann es mir nicht erklären. Unten vor dem Hotel hat sich ein kleiner See gebildet. Von meinem Balkon kann ich morgens ins Wasser springen. Die Zimmermädchen wissen schon bescheid, finden sich mit Regenschirmen am Ufer ein und schauen zu. Ansonsten lebe ich bescheiden. Im Zimmer esse ich Knäckebrote und das Wasser trinke ich aus der Leitung. Alle anderen Gäste sind abgereist. Aus Langeweile, wie mir ein Kellner verriet. Sie seien Richtung Süden und würden nicht wieder kommen. Das Personal ist ansonsten freundlich. Sie schauen meinem Urlaub zu und bedienen mich. Nachmittags sitze ich mit den Putzfrauen im Restaurant, trinke mit ihnen Kaffee und sehe mit ihnen fern. Wild peitscht der Regen dann gegen das arme Hotel. Vielleicht hört es morgen auf, meinte ich zur Kellnerin und sie sammelte traurig das Trinkgeld am Tisch ein. Leider ist mir die Medizin ausgegangen. Meine Füße zappeln gierig nach Bewegung, wie zwei Fische an Land. Täglich verkehre ich in den leeren Gängen und besuche die unbewohnten Zimmer. Das ist aber wieder den Augen zu wenig und sie tränen nachts. Wie ich sie auch drehe und wende. Bitte schicke mir Küsse, wie auch ich dir Küsse schicke.
Dein bester Freund T.